FRAUEN*STREIK UND KIRCHE

Am 14. Juni gingen zig tausende Frauen* auf die Strasse. Eine von Ihnen – unsere Jugendarbeiterin Cyrille Jäggi. Im Interview verrät sie ihre Gedanken zum Thema Frauen*streik und Kirche.

Welches Anliegen möchtest du am Frauen*streik zum Ausdruck bringen? Wofür stehst du ein?

Ich kann hinter dem gesamten verfassten Manifest stehen (mehr dazu). Ich persönlich möchte hier jedoch die Forderung für eine solidarische Gesellschaft ohne Rassismus, Sexismus, Homophobie und Transphobie hervorheben. „Wir wollen, dass Unterschiede anerkannt und dass die Gleichstellung für alle garantiert wird.“ (Online, 2019, Collectifsromandspour lagrèveféministe et des femmes*)

Frauen* in der Kirche. Wo gibt es hier noch Nachholbedarf für die Kirche?

Der Nachholbedarf in der reformierten Kirche möchte ich nicht auf ein Geschlecht reduzieren. Die Kirche hinkt in meinen Augen in einigen Punkten generell der modernen Entwicklung hinterher. Beispielsweise beim Thema der Homosexualität und der LGBT (Lesbisch, Schwul, Bisexuell und Transgender). Verantwortliche und Mitarbeitende der Kirche, sollten sich noch stärker im Sinne einer solidarischen Gesellschaft positionieren. Ich erlebe in der Kirche noch immer viele offensichtliche – wie auch versteckte – patriarchale Normbilder, welche Einflüsse auf die Strukturen und dem sozialen Handeln der Einzelnen haben. Der Reformprozesses müsste die Chance bilden sich nicht nur organisational, sondern auch inhaltlich neu aufzustellen. 
Mein Wunsch: Tief verankerte patriarchale Strukturen sollen über- und neugedacht werden. Ich wünsche mir ein Umdenken. 

Wie engagierst du dich für die Rechte der Frauen?

Ich finde das Aufgreifen des Diskurses zur Gleichberechtigung wichtig, da immer noch viele Symptome eines Ungleichgewichtes in unserer Gesellschaft ersichtlich sind. Die Weiterführung dieses Diskurses ist essenziell für die Sensibilisierung unserer Gesellschaft, damit weitere Veränderungen in Gang gesetzt werden können. Ein sehr offensichtliches Symptom des Ungleichgewichtes sind die Lohnunterschiede von Frauen und Männern. Aber auch die Lohn Einstufung von Sogenannten Frauen* und Männer* Berufen. Zum Beispiel, dass Kindererzieher*innen prinzipiell weniger verdienen als Lehrer*innen.
Ich werde heute für eine Gleichbehandlung aller Menschen auf die Strasse gehen und mich auch in meinem Alltag bei rassistischen, sexistischen, homophoben und transphoben Bemerkungen oder Handlungen klar positionieren.

Was konkret kann „Mann“ machen, dass er Frauen* in Zukunft besser unterstützt?

Die Dringlichkeit eines solchen Diskurses anerkennen und sich selbst in dem eigenen Handeln und Denken kritisch hinterfragen. Das Thema der Gleichberechtigung ist aus meiner Sicht ein Thema der Menschheit und nicht nur einem Geschlecht vorbehalten. Deshalb ist es für mich dringlich, dass die Auseinandersetzung mit dem Frauenstreik und den gestellten Forderungen nicht einfach als ein Thema der Frauen angesehen wird.

Cyrille Jäggi führt den Jugendtreff in Zürich Oerlikon und absolviert ihre Ausbildung zur Gemeindeanimatorin* HF bei der reformierten Kirche Zürich im Kirchenkreis 12. Die Junge Kirche Zürich Nord setzt sich aktiv für die Gleichstellung von Mann* und Frau* sowie sozialen Ungleichheiten ein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.